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Krisenkommunikation ist keine PR: Wer hier schwächelt, verliert Handlungsfähigkeit!

KRISENKOMMUNIKATION IST ECHTE EINSATZFÜHRUNG – NICHT PR

Krisenkommunikation wird oft mit der Abwehr von Reputationsschäden gleichgesetzt – mit vorbereiteten Statements, abgestimmten Sprachregelungen oder geübten Reaktionsketten auf Medienanfragen. Das mag für schwierige Presseberichte oder unglückliche Aussagen reichen. Aber für echte Krisen eben nicht, denn hier entscheidet Kommunikation über die Handlungsfähigkeit und Glaubwürdigkeit des Unternehmens. Echte Krisenkommunikation beginnt in dem Moment, in dem der Ernstfall eintritt: wenn Menschen gefährdet sind, Rettungskräfte handeln und ein Unternehmen innerhalb von Minuten in den Ausnahmezustand gerät.

In akuten Krisen geht es nicht um ausgefeilte Formulierungen, sondern um Schnelligkeit, Verständlichkeit und Orientierung. Krisenkommunikation muss Informationen so transportieren, dass sie intern handlungsleitend wirken und nach außen Vertrauen schaffen. Sie ist kein Nebenprozess, sondern ein zentraler Bestandteil der Krisenstabsarbeit.


WAS „ECHTE KRISENKOMMUNIKATION“ BEDEUTET

Wenn ein Brand ausbricht, ein Mitarbeiter tödlich verunglückt, ein Cyberangriff den Betrieb lahmlegt oder ein Chemieunfall Behörden auf den Plan ruft – dann gibt es keine unzähligen Stunden für Abstimmungen. Die Kommunikation muss sofort einsatzfähig sein.


WAS DAS FÜR DIE GESCHÄFTSFÜHRUNG BEDEUTET:

  • Wer leitet die Kommunikation im Krisenstab?
  • Welche Stellvertretung gibt es?

Kommunikation ist kein Einzelkämpferjob. Es braucht ein Team im Hintergrund und klare Backoffice-Strukturen.

Alarmierungswege, Kernbotschaften, Templates und Kanäle müssen im Notfall- und Krisenhandbuch dokumentiert und geübt sein.


IN DER KRISE BEDEUTET DAS:

  • Informationen strukturieren, auch wenn sie unvollständig sind.
  • Orientierung geben, obwohl Fakten fehlen.
  • Glaubwürdigkeit sichern, während die Lage dynamisch bleibt.
  • Nahtlos mit Krisenstab, Einsatzkräften und Behörden zusammenarbeiten.

Krisenkommunikation ist in diesem Moment nicht mehr PR – sie ist operative Einsatzkommunikation.


GEFRAGT SIND KLARE BOTSCHAFTEN, SOFORTIGE REAKTION UND BELASTBARE INFORMATIONEN.


Viele Unternehmen betrachten Kommunikation als „Begleitprozess“. In der Realität aber sitzt die Kommunikation im Krisenstab mit am Tisch. Nämlich dort, wo Entscheidungen fallen und Informationen zusammenlaufen. Die Aufgabe ist nicht, geschönte Botschaften zu formulieren, sondern:

  • Informationen aufzunehmen und zu bewerten
  • ihre kommunikative Wirkung einzuschätzen
  • Handlungsoptionen vorzubereiten
  • und Entscheidungen unmittelbar in Botschaften zu übersetzen.


Dabei wird schnell klar: Eine einzelne Person im Krisenstab kann nicht gleichzeitig Texte schreiben, Social Media überwachen, Presseanfragen beantworten und sich mit der Einsatzleitung abstimmen. Es braucht ein System – mit klaren Rollen, Backoffice-Strukturen und vorbereiteten Bausteinen.


VORBEREITUNG STATT IMPROVISATION

Wer glaubt, Krisenkommunikation ließe sich im Ereignisfall nebenbei erledigen, irrt. Entscheidend ist die strategische Vorarbeit:

  1. Aufbau eines Kommunikationsteams, das im Hintergrund Monitoring, Textarbeit, Social-Media-Begleitung, Hotline- Betreuung oder Internet-/Intranetpflege übernimmt.
  2. Ein Kommunikationsplan muss Teil des Notfall- und Krisenhandbuchs sein mit klaren Alarmierungswegen, definierten Kernbotschaften und der technischen Infrastruktur.
  3. Schulung von Mitarbeitenden aus anderen Bereichen (z. B. HR, IT, Kundenservice), die in Krisenzeiten als Unterstützung einspringen können.
  4. Klare Festlegung, wer im Krisenstab sitzt und wer die Backoffice- Aufgaben übernimmt.
  5. Vorbereitete Text- und Informationsbausteine für verschiedene Szenarien, die schnell angepasst und aus gespielt werden können.

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DIE ZENTRALE FRAGE LAUTET: BIN ICH IM KRISENSTAB DER NAVIGATOR FÜR KOMMUNIKATION ODER LEITE ICH DIE OPERATIVE UMSETZUNG IM HINTERGRUND?

Beides gleichzeitig funktioniert im Ernstfall nicht.


INFORMATIONSBEDÜRFNISSE IN ECHTZEIT BEDIENEN: EINE KRISE PRODUZIERT SOFORT EINEN HOHEN INFORMATIONSDRUCK – INTERN WIE EXTERN.

  • Mitarbeitende wollen wissen, was passiert. 
  • Nachbarn erwarten Schutz- und Sicherheitsinformationen. 
  • Behörden brauchen Rückmeldungen.
  • Kunden fragen, ob Produkte, Dienstleistungen oder Lieferungen betroffen sind.
  • Medien fordern Stellungnahmen und Hintergrundinformationen.
  • Angehörige rufen an.
  • Investoren und Anteilseigner verlangen Einschätzungen zu finanziellen Auswirkungen und Stabilität.


Kommunikation ist nicht „ein Kanal“, sondern ein permanentes Jonglieren mit Zielgruppen, die gleichzeitig, aber auf unterschiedliche Weise, informiert werden müssen.


Wer jetzt erst überlegt, wer was über welchen Kanal erfahren soll, verliert entscheidende Zeit. Deshalb gilt: Zielgruppen und adressierbare Kanäle sollten im Vorfeld klar definiert und dokumentiert sein.


DAS UMFASST VORBEREITETE LÖSUNGEN FÜR:

  • Social-Media-Statements und Presseinformationen
  • interne Mails, Aushänge oder Banner für Infoscreens
  • Sprachregelungen für Hotlines und Servicecenter
  • Telefon-Ansagen
  • Kundenschreiben (z. B. bei Lieferverzögerungen, Ausfällen, Rückrufen)
  • Darksites oder Intranetmeldungen
  • Push-Nachrichten in Unternehmens-Apps oder Krisenwarnsystemen

So wird Krisenkommunikation im Ernstfall schnell, konsistent und adressatengerecht.


DIE KÖNIGSDISZIPLIN: KRISENKOMMUNIKATION ALS TEIL DES EINSATZES

Wirksame Krisenkommunikation kann nur dort entstehen, wo sie als integraler Bestandteil der Krisenbewältigung verstanden wird. Dazu braucht es Verantwortliche, die nicht nur kommunizieren, sondern auch die Logik der Stabsarbeit, die Dynamik von Einsatzlagen und die Struktur von Entscheidungsprozessen kennen.


KRISENKOMMUNIKATION IN ECHTZEIT IST KEIN STILMITTEL, SONDERN EIN PRAKTISCHES FÜHRUNGSINSTRUMENT. SIE LENKT, STRUKTURIERT UND STABILISIERT.


Ad-hoc-Krisenkommunikation muss wie jede andere Disziplin des Krisenmanagements trainiert, geübt und systematisch vorbereitet werden. Daher gilt es, dieses Thema eng verzahnt anzugehen.


Krisenkommunikation beginnt nicht bei der Tonalitätsanalyse und endet nicht beim Social-Media-Statement. Sie ist operative Einsatzfähigkeit in Echtzeit und damit ein unverzichtbarer Teil des Krisenmanagements. Viele Kommunikationsabteilungen halten sich für gut vorbereitet und krisenfest, ohne jemals echte Stabsarbeit erlebt oder die Logik des Krisenmanagements verinnerlicht zu haben. Genau hier liegt die Gefahr: Wer nicht vorbereitet ist oder das Zusammenspiel von Fachwissen, Stabsarbeit und Kommunikation unterschätzt, riskiert Chaos, widersprüchliche Botschaften und nachhaltigen Vertrauensverlust. Wer Krisenkommunikation dagegen ernsthaft integriert und interdisziplinär angeht, schafft die Basis für Klarheit, Sicherheit und Glaubwürdigkeit – genau dann, wenn sie am meisten gebraucht wird.


KRISENKOMMUNIKATION IST NICHT DEKORATION, SONDERN TEIL DER EINSATZFÜHRUNG.