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Der CSO im Wandel: Vom Dienstleister zum entscheidenden Erfolgsfaktor!

UNTERNEHMENSSICHERHEIT BRAUCHT EINEN PLATZ IM STRATEGISCHEN KONTEXT

In den Führungsetagen von Unternehmen finden sich klangvolle Titel wie CEO, CFO, COO, CIO, CTO, CMO, CHRO, CISO und irgendwo dazwischen, sofern es ihn denn gibt, der CSO – der Chief Security Officer, also die Leitung der Unternehmenssicherheit. Doch gerade bei dieser Position stellt sich die Frage: Wird dieser Rolle die notwendige strategische Bedeutung zugemessen, oder bleibt sie ein zahnloser Tiger ohne echten Einfluss auf die Entscheidungsfindung des Unternehmens?

Ein Chief Security Officer sollte weit mehr sein als nur der „Kümmerer“ für Zutrittskontrollen, den Sicherheitsdienst oder die Erstellung von Notfallplänen. Er sollte eine zentrale Rolle spielen, wenn es um den Schutz von Mitarbeitern, der Arbeitsumgebung, Vermögenswerten und den Ruf des Unternehmens geht. Doch allzu oft wird die Unternehmenssicherheit nach wie vor nur als operative Funktion wahrgenommen – ein interner Dienstleister, der Maßnahmen umsetzt, anstatt eine treibende Kra! hinter strategischen Entscheidungen zu sein.


Die Aufgaben des CSO reichen von der Entwicklung und Implementierung umfassender Sicherheitsstrategien bis hin zur proaktiven Risikominimierung, um Mitarbeiter, Betriebsstätten, Vermögenswerte und den Ruf des Unternehmens zu schützen.



Ein zentraler Grund für die mangelnde Wirksamkeit der Unternehmenssicherheit liegt in der fehlenden Integration in die obersten Entscheidungsprozesse. Die Leitung der Unternehmenssicherheit wird oft auf einen Abteilungsleiter- Status reduziert und in der Hierarchie unter Funktionen wie der IT-Leitung (CIO) oder dem Facility Management angesiedelt. Dies widerspricht dem Anspruch, Sicherheit als geschäftskritischen Faktor zu verstehen und zu behandeln.


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Noch immer wird Sicherheit in vielen Unternehmen als rein technische Disziplin wahrgenommen. Der Fokus liegt auf Systemen und operativen Prozessen wie Videoüberwachung, Zutrittskontrollen oder der Leitung des Sicherheitsdienstes. Diese Sichtweise führt häufig dazu, dass Unternehmen auf die Schaffung einer eigenständigen Position verzichten – schließlich können „die paar Aufgaben“ auch von der Haustechnik, dem Facility Management oder der Arbeitssicherheit mit übernommen werden. Doch dieser Ansatz greift zu kurz. Sicherheit ist mehr:

  1. Sie erfordert eine ganzheitliche Betrachtung technischer Komponenten im Zusammenspiel mit Prozessen, personellen Maßnahmen und spezifischen Sicherheitskonzepten, die sich durch das gesamte Unternehmen ziehen.
  2. Sie umfasst strategische Fragestellungen wie die Antizipation von Risiken und die Schaffung einer Sicherheitskultur. Dazu zählen physische Sicherheitsmaßnahmen, Reisesicherheitsmaßnahmen, die Betrachtung von Bedrohungen aus dem Inneren sowie der Schutz von Lieferketten, Veranstaltungen und Führungspersönlichkeiten. Auch der Produktschutz und die Verankerung von Resilienz als Wettbewerbsvorteil spielen eine zentrale Rolle.
  3. Und vor allem muss Sicherheit in den Köpfen aller Mitarbeitenden verankert sein, um ein wirksames Schutzniveau zu erreichen und eine wirksame Sicherheitskultur zu etablieren.


VOM INTERNEN DIENSTLEISTER ZUM STRATEGISCHEN GESTALTER

Ein CSO sollte daher die Perspektive eines strategischen Gestalters einnehmen. Er muss Risiken nicht nur analysieren, sondern auch auf Vorstandsebene präsentieren, diskutieren und klare, umsetzbare Lösungsvorschläge entwickeln. Nur so wird Sicherheit zu einem integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie und -kultur. Ein zukunftsorientierter CSO geht dabei über die bloße Risikobewertung hinaus:

  • Er nimmt aktiv Einfluss auf Geschäftsstrategien, um Sicherheitsbelange frühzeitig und effektiv einzubinden. Dies setzt jedoch voraus, dass die Person fachlich versiert ist und über umfassende Kenntnisse in den unterschiedlichsten Disziplinen der Sicherheit verfügt. Ohne diese Expertise droht eine einseitige Betrachtung und das Sicherheitsniveau bleibt auf einem Grundniveau stehen.


ZU DEN STRATEGISCHEN AUFGABEN EINES KOMPETENTEN CSO ZÄHLEN BEISPIELSWEISE:

  • Bewertung von Markterschließung und Standortentscheidungen: Unterstützung bei der Auswahl neuer Märkte/Standorte oder Bewertung und Begleitung von Bauprojekten unter Berücksichtigung von Sicherheits- und Risikofaktoren.
  • Business Continuity: Enge Verzahnung der Sicherheitsstrategie mit der Geschäftsfortführung sowie dem Notfall- und Krisenmanagement. Dies umfasst die Entwicklung präventiver Strategien und detaillierter Pläne für den Ernstfall sowie die aktive und verantwortungsvolle Mitwirkung im Krisenstab.N
  • Technologische Innovationen und Erweiterungen: Prüfung und Integration neuer technischer Lösungen, um Sicherheitsstandards kontinuierlich zu verbessern und potenzielle Risiken frühzeitig zu minimieren. 
  • Compliance und Governance: Sicherstellung, dass alle Sicherheitsmaßnahmen regulatorischen Anforderungen entsprechen und rechtlich einwandfrei umgesetzt werden.


Sicherheit ist weder IT, Arbeitsschutz noch Gebäudemanagement – sie ist eine eigenständige Disziplin mit strategischer Relevanz und zahlreichen Facetten.


UNTERNEHMENSSICHERHEIT AUS DER OPERATIVEN ECKE ZU HOLEN, BEGINNT MIT IHRER ORGANISATORISCHEN VERANKERUNG.


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Ein starker CSO sollte in der Unternehmenshierarchie auf Augenhöhe mit anderen Chief-Level-Positionen agieren und direkten Zugang zur Geschäftsführung haben, um Sicherheitsstrategien als integralen Bestandteil des Unternehmenserfolgs zu positionieren. Die direkte Berichtslinie ermöglicht es der Leitung der Unternehmenssicherheit, strategische Risiken und Bedrohungen oder die Auswirkungen regulatorischer Anforderungen proaktiv zu adressieren. Denn diese betreffen die gesamte Organisation.


RESSOURCEN UND KOMPETENZEN: WAS UNTERNEHMENSSICHERHEIT ERFOLGREICH MACHT

Um diese strategische Rolle ausfüllen zu können, benötigt der CSO die richtigen Ressourcen. Dies umfasst nicht nur ausreichende Budgets, sondern auch personelle und technologische Mittel. Es ist entscheidend, dass Sicherheitsprojekte nicht als Kostenfaktoren, sondern als Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens verstanden werden. Nur so kann die Unternehmenssicherheit von einem rein operativen Ansatz zu einer strategischen Führungsfunktion weiterentwickelt werden, die maßgeblich zur langfristigen Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit beiträgt.


Die Unternehmenssicherheit darf kein zahnloser Tiger sein – sie muss Biss haben!


Es ist an der Zeit, die Bedeutung der Unternehmenssicherheit neu zu denken. Statt als Kostenfaktor oder rein technische Funktion sollte sie als strategischer Hebel betrachtet werden, der nicht nur den Status quo schützt, sondern das Unternehmen in die Lage versetzt, Chancen zu nutzen und langfristig erfolgreich zu sein.


SICHERHEITSKULTUR: VOM REGELWERK ZUR GELEBTEN VERANTWORTUNG

Eine zentrale Aufgabe des CSO ist die Förderung einer gelebten Sicherheitskultur. Sicherheit darf nicht allein durch Policies und Checklisten definiert werden. Vielmehr muss sie von allen Mitarbeitenden und externen Partnern aktiv gelebt werden. Dies erfordert gezielte Schulungen, Sensibilisierungsmaßnahmen und ein umfassendes Verständnis für die Bedeutung von Sicherheitsfragen auf allen Ebenen des Unternehmens.


Der CSO sollte dabei als Impulsgeber und Vorbild agieren. Abteilungen und Teams müssen aktiv eingebunden werden, während praxisnahe und umsetzbare Lösungen entwickelt werden, die verdeutlichen, dass Sicherheit keine Belastung, sondern ein wirksamer Schutz und eine Unterstützung für alle ist.


Die Unternehmenssicherheit darf kein zahnloser Tiger sein. Sie muss strategisch verankert, organisatorisch auf Augenhöhe und kulturell tief in der Organisation verwurzelt sein. Ein CSO, der über umfassende Fachkenntnisse und eine interdisziplinäre Perspektive verfügt, kann Sicherheitsstrategien entwickeln, die nicht nur operativ effizient sind, sondern auch langfristig die Resilienz des Unternehmens stärken und Sicherheit zu einem Wettbewerbsvorteil machen.