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FORDEC-Methode einfach erklärt: So kann jeder Krisenstab schnelle und sichere Entscheidungen treffen
FORDEC wurde ursprünglich für Piloten entwickelt, die in hochkritischen Situationen innerhalb von Sekunden handeln müssen. Der Gedanke: Struktur schafft Sicherheit. Heute ist die Methode in vielen sicherheitskritischen Branchen im Einsatz, von der Medizin über die Industrie bis hin zu Unternehmen, die ihre Krisenstäbe professionell aufstellen. Für Krisenstäbe bietet FORDEC ein praxiserprobtes Gerüst, um auch unter Druck fundierte Entscheidungen zu treffen, die nachvollziehbar, überprüfbar und anpassbar sind.
F - FACTS: FAKTEN SAMMELN
Alles beginnt mit einem klaren und nachvollziehbaren Lagebild. Ziel ist es, alle verfügbaren Informationen (keine Bewertungen und Interpretationen) strukturiert zu sammeln, zu ordnen und bewerten zu können:
- Welche Informationen liegen vor?
- Welche Quellen sind zuverlässig, welche unsicher?
- Welche Hintergrundinformationen fehlen noch?
- Wo bestehen Unsicherheiten?
PRAXIS-TIPP: Visualisieren Sie Fakten an einer Lagewand oder im digitalen Lagebild. So bleibt der Überblick erhalten und Informationslücken werden sichtbar. Diesen Schritt sollte jedes Krisenstabsmitglied für seinen Aufgabenbereich befolgen.
O - OPTIONS: HANDLUNGSOPTIONEN ENTWICKELN
Statt vorschnell einen Weg einzuschlagen, werden bewusst mehrere Handlungsoptionen entwickelt, um verschiedene Lösungswege aufzuzeigen.
- Welche konkreten Maßnahmen zur Lagebewältigung können greifen?
- Gibt es kurzfristige und langfristige Ansätze?
- Welche unkonventionellen Lösungen sind denkbar?
PRAXIS-TIPP: Erstellen Sie realistische Handlungsalternativen, selbst wenn eine „favorisiert“ erscheint. So bleiben Sie handlungsfähig, falls sich die Lage ändert. Es gibt keine Denkverbote!
R - RISKS & BENEFITS: RISIKEN UND CHANCEN ABWÄGEN
Nun folgt der Vergleich der verschiedenen Optionen und deren Auswirkungen auf die Belegschaft, Kunden und Dritte.
- Welche Risiken sind mit den Optionen verbunden?
- Welche Vorteile und Chancen ergeben sich daraus?
- Welche Auswirkungen sind kurz-, mittel- und langfristig zu erwarten?
PRAXIS-TIPP: Arbeiten Sie mit Pfeilen, um Optionen klar zu vergleichen und Risiken realistisch einzuordnen.
D - DECISION: ENTSCHEIDUNG TREFFEN
Nun muss in der Konsequenz eine Entscheidung getroffen werden. Die gewählte Option wird klar benannt, mit einer Begründung versehen, allen Beteiligten kommuniziert und entsprechend dokumentiert. Auch die Verantwortlichkeiten und Zeitrahmen sollten eindeutig benannt sein.
- Welche Option wird mit welchem Ziel umgesetzt?
- Wie werden Beteiligte informiert?
PRAXIS-TIPP: Formulieren Sie die Entscheidung als eindeutigen Satz: „Wir leiten Maßnahme X ein, weil Y. Verantwortlich ist Z bis Zeitpunkt A.“ Eine Außenperspektive bringt oft mehr Klarheit.
E - EXECUTION: UMSETZUNG
Nun heißt es ins Handeln kommen und die beschlossene Maßnahme umsetzen. Wichtig ist dabei, Verantwortlichkeiten klar zu benennen, Ressourcen bereitzustellen und die Kommunikation sicherzustellen.
- Wer setzt welche Aufgabe bis wann um?
- Welche Einzelschritte sind notwendig?
- Welche Ressourcen werden benötigt?
PRAXIS-TIPP: Erstellen Sie einen Maßnahmenkatalog und legen Sie parallel fest, wie der Umsetzungsfortschritt kontrolliert wird, z. B. durch kurze Rückmeldeschleifen.
C - CHECK: ÜBERPRÜFUNG
Anschließend wird die Wirksamkeit der getroffenen Entscheidungen und umgesetzten Maßnahmen überprüft. Sollten diese nicht greifen oder sich die Lage verändern, beginnt der Prozess erneut.
- Wirkt die Maßnahme wie gewünscht?
- Muss nachgesteuert werden?
- Hat sich die Lage seitdem verändert?
PAXIS-TIPP: Check von Anfang an einplanen.
Wichtig bei der Anwendung der FORDEC-Methode ist, dass sämtliche neue Lageinformationen kontinuierlich aufgenommen werden. Diese müssen entweder den Prozess erneut durchlaufen oder in einen laufenden Schritt einfließen. Nur so behält der Krisenstab Übersicht in einer unübersichtlichen Situation und schafft damit die Grundlage, um vor die Lage kommen zu können.
WICHTIG ABSOLVIEREN SIE DEN PROZESS NIEMALS NUR IM KOPF
Denn: Erst wenn Gedanken sichtbar dokumentiert sind, werden sie geordnet und hören auf, uns im Kopf zu schwirren. Struktur entsteht nicht durch Denken allein, sondern durch die bewusste Visualisierung als Übersicht in schwarz auf weiß und genau das ist die Grundlage für sicheres Handeln in einer Krisensituation.
VORTEILE DER FORDEC-METHODE IN DER STABSARBEIT
Gerade für die Arbeit im Krisenstab bietet die „FORDEC-Methode“ mehrere Vorteile:
- STRUKTUR IN UNÜBERSICHTLICHEN LAGEN: Der Ablauf verhindert, dass wichtige Aspekte übersehen oder vorschnell Entscheidungen und Maßnahmen getroffen werden.
- TRANSPARENZ UND NACHVOLLZIEHBARKEIT: Alle Mitglieder des Krisenstabs können den Entscheidungsweg nachvollziehen – auch im Rahmen der Nachbereitung eines Ereignisses oder einer Übung.
- EINBINDUNG UNTERSCHIEDLICHER FACHPERSPEKTIVEN: Durch die systematische Sammlung von Optionen und das gemeinsame Abwägen werden Fachkenntnisse aus verschiedenen Perspektiven zusammengetragen und fließen bei der Entscheidungsfindung ein.
- LERN- UND ANPASSUNGSFÄHIGKEIT: Durch den expliziten Check- Schritt wird vermieden, dass einmal getroffene Entscheidungen „starr“ beibehalten werden, obwohl sich die Lage dynamisch weiterentwickelt hat oder die Maßnahme nicht den erwünschten Effekt erzielt hat.
- STRESSRESISTENZ: Die Methode gibt eine Art „roten Faden“ vor, der auch in angespannten Situationen Orientierung bietet.
In der Praxis hat es sich bewährt, dass die Krisenstabsleitung oder ein Moderator den FORDEC-Prozess aktiv steuert. So wird verhindert, dass Diskussionen ausufern und der Prozess zielgerichtet eingehalten wird. Parallel dazu sollte eine lückenlose Dokumentation erfolgen – nicht nur für die interne Nachbereitung, sondern auch für mögliche rechtliche Aufarbeitungen. Damit ist die FORDEC-Methode mehr als eine Entscheidungshilfe. Sie ist ein Handlungsrahmen, der Krisenstäbe befähigt, auch unter massivem Druck strukturiert und nachvollziehbar zu agieren. Wer sie konsequent einsetzt, schafft Klarheit, stärkt die Teamarbeit und erhöht die Chance, eine Krise kontrolliert zu bewältigen und vor die Lage zu kommen.
WANN UND WIE DIE FORDEC-METHODE EINGESETZT WERDEN SOLLTE
- Prüfen Sie zuerst, ob eine Entscheidung überhaupt offen ist. Wenn die Richtung bereits feststeht, brauchen Sie kein zusätzliches strukturiertes Vorgehen.
- Nutzen Sie FORDEC insbesondere dann, wenn unter Zeitdruck eine Entscheidung getroffen werden muss und keine vorbereiteten Checklisten oder Vorgaben zur Verfügung stehen.
- Klärung der Prioritäten: Legen Sie fest, welche Aspekte bei der Entscheidung im Vordergrund stehen, bevor Sie in die Durchführung einsteigen.
- Achten Sie auf Hierarchien: Sorgen Sie dafür, dass auch ruhigere oder hierarchisch tieferstehende Personen zuerst ihre Sichtweise einbringen. So bleibt der Prozess ausgewogen und liefert die besten Entscheidungsgrundlagen.

